16

zum Rodenberg ſollen die nachherigen Spiegel v. Deſenberg und v. Pickelsheim abſtammen, die bei den alten heſſiſchen Geſchlech tern zu finden ſind auch bei den Braunſchweigiſchen und Thüringiſchen . Siehe Siebmacher J und II, ſowie im Weſſel'ſchen Wappenbuch, bei Knetſchke's Adelslexikon ꝛc. ꝛc.

42. Das Haus zum Zierlin gegenüber dem Kötherhofe

iſt eines der ſchönſten mittelalterlichen Gebäude der Stadt Mainz und kann manchem modernen Zinshauſe als Modell dienen Ju dieſem Hofe wohnte ſeinerzeit Herr Neuß, heute Herr Wein händler Hohmann. Zu dem fruͤheren Complexe gehörten noch 34 Nachbarshäuſer. Von 1488 an hieß das Hauszum Haſſelbaum. Von 1519 an hatten die Nonnen von Marien Dalheim bei Zahlbach den Hof im Genuſſe bis in unſere

Zeit.

Während des 30jährigen Krieges waren die Nonnen nach Köln geflüchtet. Am 29. Januar 1636 ſchrieb ihre Abtiſſin, die zurückgeblieben war:Wir haben vor dem Schwediſchen Aus zug großen Mangel und Theuerung erleiden müſſen. Ein Maß Butter 3 Thaler, 1 Pfund Speck ein Königsthaler; vor 1Pfund Käs 20 Batzen; ein Ei 8, 9 bis 10 Albus. Euere liebe getreue, nun aber ganz verlaſſene Mutter Suſanna. Die Abtiſſin ſtarb noch im ſelben Jahre. Der Hof iſt heute ſchön reſtaurirt und fällt ſofort durch ſein harmoniſches Aeußere auf.

43. Das Ballhaus oder das Theatergebäude zur Kur fürſtenzeit.(Heutiges Haus Bembs.)

In unſerer Jugend verkehrte in der Familie eine alte Jüdin, die jedenfalls den älteren Mainzern noch wohl bekannt iſt eine Fräulein Bamberg, die uns Kinderu viel von dieſem Hauſe erzählte, in welchem ſie dereinſt als gefeierte Schönheit bewundert wurde. Sie erzählte viel von den dortigen Bällen und Adelsverſammlungen, daß das Haus im Jahre 1770 vom Mainzer Adel gemeinſchaftlich aufgebaut worden ſei und daß in dieſem Jahre eine Schauſpielgefellſchaft Kurz die erſten Vorſtellungen gab, nachher die Geſellſchaft Seiler. Es wurden auch Carnevalsbälle und ſonſtige Vorſtellungen darin abgehalten, bis 1792 das Gebäude abbraunte. Heute iſt das Palais im Beſitze der berühmten Bembé'ſchen Moͤbelfabrik.